Warum machst du das ? – Aus Prinzip!

Schoki 3.1
Jeden Morgen wachen wir auf und haben sofort 27 Dinge im Kopf, die erledigt werden müssen. Müssen, weil irgendwer irgendwann mal festgelegt hat, dass wir, die Menschen, es so machen müssen.

Prinzipien, ethische, religiöse, gesellschaftliche.

Theoretisch kann man jedes Verhalten in eine prinzipielle Schublade stecken und katalogisieren.

Als Kind habe ich es schon nicht verstanden und auch heute ernte ich immer wieder verständnislose Blicke, wenn ich meinen Kindern Dinge erlaube zu tun, die eben nicht dem Standard entsprechen.
Warum in aller Welt sollte man aus Prinzip zwei gleiche Socken anziehen?

Wenn meine 5-Jährige gerne eine Hello-Kitty-Socke links und eine Spongebob-Socke rechts anziehen möchte, weil sie sich nicht entscheiden kann, dann soll sie das doch bitte tun.
Ich habe keinen Vor- oder Nachteil davon und auch sonst niemand.
Ein zufriedenes Kind und die Freiheit, die Möglichkeiten auszuprobieren, die man noch hat um aus dem Rahmen zu fallen sind die einzigen Konsequenzen, welche die Inkonsequenz meinerseits nach sich ziehen.
Ein kleiner Vorteil für mich ist, dass ich Socken nur noch in eine dafür vorgsehene Kiste werfe anstatt stundenlang Memory zu spielen. Win-Win-Situation für alle, würde ich sagen.

Das gleiche gilt für „es wird gegessen was auf den Tisch kommt“. Ach bitte.
Ich kann mich noch genau daran erinnern wie mir das Essen von gestern noch fast hoch kam, wenn ich stundenlang am Tisch sitzen und mir das Hühnerfrikassee runter würgen musste, damit die armen Kinder in Afrika nicht hungern müssen.
Ja, es ist traurig, dass Kinder verhungern, keine Frage, aber ob ich meinen Teller leer esse oder nicht ändert daran einfach mal……nichts.
Das einzige Ergebnis dieses Prinzips ist, dass ich MEIN Kind quälen würde mit der Argumentation, dass andere Kinder leiden. Sinnvoll. Nicht.

So lange es nicht auf Lebensgefahr oder unumgängliche Katastrophen hinaus läuft, gibt es für mich nur eine Schublade, auf der „Prinzipien“ steht und die bleibt zu.

Spätestens wenn die Kinder in ein Alter kommen, in dem sie Befehle nicht nur annehmen wie stumpfe Soldaten, sondern auch den Grund für die Anweisung nachvollziehen wollen, ist es meiner Meinung nach so oder so vorbei mit „weil ich das sage“.
Für wen müsste ich mich denn halten, hätte ich für die gut gemeinten Hilfestellungen keine plausible Erklärung und würde nur aus Willkür meine Machtkarte ausspielen?

Vielleicht ist es langsam mal an der Zeit, einige, noch aus Zeiten des zweiten Weltkrieges stammende Prinzipien neu zu formulieren und zu prüfen, ob diese noch zeitgemäß sind.

Während das aber, wenn überhaupt, nur ein kleiner Bruchteil der Menschen tun wird, werde ich erstmal meinen Schokopudding essen und danach gucken, ob mir der Salat überhaupt schmeckt, den ich heute morgen in Jogginghose eingekauft habe.

Aus Prinzip!

ADHS- Keiner weiß Bescheid, alle reden mit!

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ADHS, ein Begriff, eine Diagnose, ein Erklärung für alles, eine Entschuldigung für überforderte Eltern.
Stellt man sich die Frage, was ist eigentlich ADHS? In der momentanen Gesellschaft ist es ein Wort, eine Abkürzung, eine Verallgemeinerung für Kinder, die mal etwas aus der Reihe tanzen. Plötzlich hat jedes Kind ADHS. So wie jedes Küchentuch ein Zewa ist, jedes Taschentuch ein Tempo und jedes Kratzen im Hals eine Grippe!
Jeder hat irgendwo irgendwas darüber gehört, jeder bildet sich seine Meinung, und niemand hat Ahnung.
Ein Kind ist nicht ausgelastet, hat es ADHS. Ein Kind kommt in der Schule nicht mit, hat es ADHS. Ein Kind entwickelt sich langsamer als andere in seinem Alter, vielleicht hat es ADHS.
Früher sind wir ohne ADHS klar gekommen, und haben auch überlebt. Ja, klar…..früher sind wir auch ohne Fernseher klar gekommen, noch früher sogar ohne Autos und noch früher auch ohne Strom. Will die Gesellschaft dahin zurück? Auf den Stand von „früher“ ? Dahin, wo noch alles besser und die Welt noch in Ordnung war?
Wollen wir zurück in eine Welt, in der es kein Heavy Metal gab und die Männer sich ihr Steak erst jagen mussten? Wollen wir dahin zurück, als Frauen im Bach die Wäsche von 12 Kindern waschen mussten? Sind wir wirklich so engstirnig zu glauben, dass das besser war? NEIN!
Milliarden von Geldern werden in die Forschung gesteckt, jeder findet das gut, manche Leute warten sogar sehnsüchtig darauf, dass Medikamente gegen Haarausfall oder die Wunderpille gegen Übergewicht erfunden werden. Viele setzen ihre ganze Hoffnung in die heutige Medizin. Man will älter werden, und das möglichst gesund und dabei auch noch gut aussehen. Darauf haben wir scheinbar alle ein Recht. Denn wir haben ja die moderne Medizin. Und sich derer zu bereichern ist doch schließlich jedermanns Recht.
Aber wehe, ein Kind bekommt die Diagnose ADHS. Erfundene, neumodische Krankheit, die es damals nicht gab und heute nicht zu geben hat. Basta. Wer hat sie erfunden? Nein, diesmal war es nicht Ricola, und es sind auch keine 17 Kräuter drin. Klar, die Pharmaindustrie. Ein hinterhältiger Verein ist das. Redet armen, minderbemittelten Eltern ein, ihr Kind sei psychisch krank und somit noch minderbemittelter als sie selbst, gaukelt ihnen vor, es hätte niemals eine Chance, mit seinem Verhalten ein gut bürgerliches Leben zu führen und winkt gleichzeitig mit der Wunderpille als Lösung aller Probleme.
Ohne über den Tellerrand zu sehen könnte man tatsächlich meinen, dass hier eine fiese Masche hinter steckt.
Und der Staat duldet das sogar. Arme, wehrlose Kinder noch wehrloserer Eltern werden erst abgestemplet und dann drogenabhängig gemacht. Ruhig gestellt und schlauer gemacht, mit gefährlichen Medikamenten, deren Bestandteile man sonst nur auf dem Schwarzmarkt der dunklen Gassen rund um die Bahnhöfe dieser Welt findet. Ein Milliardengeschäft. Fast so rentabel wie Facebook, aber eben nur fast. Und mit dem Unterschied, dass es hier natürlich auf Kosten der Kinder geht, die sich ja nicht wehren können. Geschickt, diese Pharmaindustrie, den Gesetzgebern so eine durchdachte Strategie als Notwendigkeit für den Erhalt unserer Gesellschaft zu verkaufen.

Notwendig hin oder her. Das spielt in diesem Zusammenhang einfach keine Rolle. Jeder, und wirklich jeder Mensch, und jedes Kind, hat das Recht, sein Leben zu gestalten, wie er oder sie es möchte. An diesem Punkt wird man sich wieder einig. Ärzte, Eltern, Journalisten, der Nachbar von nebenan.
Psychische Probleme sind so anerkannt wie Homosexualität. Jeder weiß, dass es sie gibt, jeder tut so, als würde man es tolerant akzeptieren, und doch haben die meisten Menschen insgeheim ihre Vorurteile. Wäre ADHS ein psychisches Problem, mit ein bis zwei Psychlogengesprächen im Monat innerhalb von kurzer zeit heilbar, könnte man den Aufruhr wenn es um Medikamente geht auch vielleicht noch verstehen. Vielleicht.
Stellt man sich aber einen jungen Mann vor, der Aufgrund von einem Genfehler nur ein Bein hat, wäre es doch für niemanden zweifelhaft, diesem Menschen trotzdem ein normales Leben zu ermöglichen. Jeder würde zustimmen wenn es darum ginge, diesem Menschen sein Leben so einfach wie möglich zu gestalten. Selbstverständlich hat er ein Recht auf eine Prothese, natürlich wird jede Physiotherapie genutzt und auch er soll, wenn er denn will, eines Tages einen Marathon laufen dürfen. Ja sogar Operationen und Schmerzmittel würde niemand in Frage stellen. Schließlich kann der arme ja nichts dafür. Sein Bein wird aber trotzdem niemals nachwachsen. Man kann nur versuchen, ihm diesen Umstand so angenehm wie irgend möglich zu gestalten und ihn wo immer es geht zu unterstützen.
Verrückte Welt. ADHS ist auch ein physisches Problem. Nicht heilbar. Nicht so offensichtlich, wie ein Bein, das fehlt. Dennoch vergleichbar.
Wäre es heilbar, würden sich die Leute Wasser über den Kopf kippen, um darauf aufmerksam zu machen.
Aber das ist es nicht. Ähnlich wie AIDS. Noch so eine Abkürzung. Aufgeklärt, ansteckend. Schränkt die Lebensqualität hochgradig ein und niemand würde auf die Idee kommen, zu sagen, es sei ein Modekrankheit die von allein wieder verschwindet. Niemand würde sagen, man solle nicht alles möglich machen, um betroffene Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen durch ihre Erkrankung keinerlei Nachteile zukommen lassen. Oder? Also! Und sollte man hier nicht auch anfangen, solangeBetroffene noch jung sind, sozusagen so früh wie möglich? Doch? Warum dann nicht auch bei ADHS? Gäbe es ein Medikament, wer wäre dagegen, es bereits Kindern zu geben? Niemand! Warum? Weil an HIV Menschen sterben.
Und ADHS Patienten sind selbst Schuld. Oder ihre Eltern. Schlechte Erziehung sorgt für Dopaminmangel im Gehirn. Schon klar.
Bereits den kleinsten Kindern wird beigebracht, dass man nicht dazwischenreden darf, wenn jemand spricht.
Ein ADHS ler hat 20 Stimmen im Kopf, die sich immer wieder gegenseitig dazwischen quatschen. Jeder äußere Reiz wird aufgesaugt wie Wasser von einem Schwamm, wird ungefiltert verarbeitet, bearbeitet, zerpflückt, neu zusammengesetzt und dann wieder von vorn. Während normale Menschen noch dem Flügelschlag des Schmetterlings zusehen, hat der ADHS ler schon die Trümmer aufgeräumt, die der Tsunami hinterlassen hat. Und das, ohne dass er das will. Auch er würde sich lieber an den schönen Farben der Schmetterlingsflügel erfreuen, statt sich mit der eventuellen Katastrophe innerlich in HD auseinanderzusetzen. Aber er kann das nicht. Geht nicht, kann nicht. Und so entgeht ihm alles, während er eigentlich alles wahrnimmt. Und das bedeutet Stress. Druck baut sich auf, beim Thema zu bleiben, Druck, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nicht abzuschweifen und den 19 Stimmen die sich überall einmischen und jede mit einem anderen Thema, einfach mal ein Pflaster auf den Mund zu kleben.
Es bedarf keiner großen Erklärung, um sich ausmalen zu können, dass solche Kinder im Erwachsenenalter mit hoher Wahrscheinlichkeit psychische Probleme bekommen werden. Ein logisches Resultat. Man denkt anders als seine Mitmenschen, argiert aufgrund des Überschusses an zerstreutenGedanken viel häufiger impulsiv, als es gut ist. Entweder die Gedanken konzentrieren sich zu 200% auf ein Thema, welches wirklich interessant genugist, um sich darin fest zu beißen, oder aber man konzentriert sich auf alles ein bisschen, aber auf nichts richtig.
Soziale Bindungen werden dadurch zur Herausforderung auf höchstem Niveau. Neue Dinge lernen, die nur sekundär wichtig erscheinen ist nahezu unmöglich. Nicht, weil diese Menschen es nicht können, oder womöglich dumm sind. Nein, im Gegenteil. Hier liegt Genie und Wahnsinn einfach dichter zusammen, als es für andere vorstellbar sein mag.
Die einfachsten Aufgaben werden zur Herausforderung, der innere Schweinehund entwickelt sich zum Dämon und das ganz normale Leben ist ein täglicher Kampf mit sich selbst.
Selbtzweifel und soziale Selbstisolation sind die Folgen. Viele betroffene Kinder werden später drogenabhängig oder stürzen sich nicht selten in Selbstmordgedanken, weil sie dem Druck nicht standhalten können.

Wer kennt sie nicht, die Abkürzung “ DBDDHKP“ ? ( Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen )
An dem Punkt kommt Ritalin ins Spiel. Es hilft betroffenen Kindern, und auch Erwachsenen, das Chaos im Kopf zu ordnen. Wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen. Sich auf das zu konzentrieren, was momentan wichtig ist, oder zu sein hat. Sei es in der Schule, oder im Alltag. Ritalin macht den Menschen nicht schlauer als er ist, es macht den zappeligen Jungen nicht plötzlich zum braven, ruhigen grauen Mäuschen, das sich nur noch auf Kommando rührt. Es gleicht nur im Gehirn den Hormonhaushalt so aus, dass es auf dem selben Level arbeiten kann wie das der Menschen, die das Glück haben, nicht als unnormal abgestempelt zu sein.
Es ist die Prothese des Einbeinigen, die Brille der Sehbehinderten, die Chemotherapie des Krebskranken, das Toupet des Kahlköpfigen und der Schwimmflügel der Dreijährigen.
Und darauf hat jeder ein Recht.

Guten Morgen Welt, geh wieder schlafen

pilzeEs ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man morgens langsam aufwacht und irgendwie passt alles zusammen. Nur ein paar Kleinigkeiten stören die Idylle.
Es regnet. Oder besser gesagt, irgendwer hat über Nacht 1000 Elefanten so klein geschrumpft, dass sie mühelos auf meinem Trommelfell mit Stöckelschuhen steppen können. Jeder in einem anderen Takt, versteht sich.

Sind die Autofenster alle zu? Hoffentlich.

Ohne die Augen zu öffnen, um vielleicht noch einen kleinen Anflug von Müdigkeit zu nutzen, diese Parade zu ignorieren, frage ich mich, warum in aller Welt es eigentlich so grell hell ist.

Die Augen minimal auf Schlitz, fällt mir die Ursache beinahe im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge. Das Verdunklungssystem meiner Dachfenster, vorrangig natürlich jenes, welches DIREKT über meinem Bett ist, hat sich dazu entschlossen, seinen Dienst vorzeitig zu quittieren. Hängt so irgendwo zwischen halb acht und Gleis sieben.

Dann war das heute Nacht doch kein Blitzeinschlag bei den Nachbarn. Man kennt diese Dinger. Zum Runterziehen bedarf es starker Nerven und viel Zuspruch, bis sie endlich mal in ihren zwei Häkchen hängen bleiben, beidseitig wenn es denn geht, und wenn es grade garnicht passt, gibt es einen Donnerschlag und sie hängen gerade von der Schräge. Aber nicht eingerollt bis ganz oben, wonach sie am Abend noch so sehr strebten. Neiiiiiin. Auch in diese Position begeben sie sich nur mit Fingerspitzengefühl zurück. Ziemlich anstrengedes Gesindel. Erdanziehungskraft ist eben auch nicht immer praktisch.

Hab ich irgendwas verpasst? Wer erinnert sich an das Geräusch in der Turnhalle damals in der Schule, bei dem 30 Schüler gleichzeitig los laufen weil einer “ Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ ruft? Ich just in diesem Moment. Die Nachbarkinder sind wohl wach.

Gedanke: Darf man das heute überhaupt noch so sagen? Egal, ich hatte eh nie Angst vor ihm….zumindest nicht in der Turnhalle. Da war ja keiner.
Außerdem wäre selbst der mir grade lieber als diese Kälte, die sich langsam aber dennoch aufdringlich bemerkbar macht. Die hat wohl der Wind mitgebracht, der da draußen versucht die Taube vom Fensterrahmen zu pusten. Ich würde ihn ja gerne anfeuern, bevor mir das Biest aufs Fenster kackt. Aufs Dach klettern um es zu putzen hab ich nämlich grade keine besonders große Lust. Morgen auch nicht, eigentlich niemals. Vielleicht im Sommer, mal kurz. Es wird aber nicht geschehen, dass ich es auch mache.

Apropos machen. Pipi und Kaffee, welcher Drang ist stärker? Wer gewinnt? Unter der Decke ist genug Zeit, die zwei das unter sich ausmachen zu lassen. Apropos Zeit, wieviel Uhr ist es eigentlich? Und apropos Uhr, wo ist mein Handy?
Hab ich heute einen Termin? Oder zwei? Oder eins der Kinder? Irgendwer?
Oh weh, doch aufstehen und schnell zum Kalender rennen. Diese Frage muss geklärt werden. Als allererstes. Sofort.

Ahhhhhhhhhhhhh, wer schreit denn da so? „Mamaaaaaaaaa, was ergibt Blau mit Lila gemischt?“
Bitte wie? Lila, aber warum ist das jetzt wichtig? Ah, ist es scheinbar garnicht. Farbkreis im Kopf.
„Mamaaaaaa, kannst du mir heute was kaufen?“ Klar, wenn ich das hier bis dahin irgendwie überlebe, kein Ding.

Achso…..Pipi, Kaffee. Da war ja was. Dann mal los. Guten morgen Welt. Sei leise!!!!

Die Bushaltestelle, mehr als nur ein Schild

WEG

Jeder kennt sie. Es gibt sie überall. In der Stadt, im Dorf, manchmal sogar ohne ersichtlichen Grund mitten im Wald. Die Bushaltestelle. Jeder, der nicht grade einen privaten Chauffeur hat oder sich aufgrund einer sozialen Phobie nicht aus dem Haus traut und sein Essen bei ebay bestellt, hatte schon mindestens einmal im Leben das Vergnügen, in einem Holz-/ Glas-/ Blech- oder Plastikhäuschen auf einen Bus zu warten.
Die Assoziationen mit dem Wort “ Bushaltestelle“ sind mit ziemlicher Sicherheit sehr weitreichend und selten positiv.
Ein Örtchen, welches im Laufe des Lebens mehrere Stufen der Wichtigkeit durchwandert. Und somit auch das Gefühl im Bauch, wenn man sich auf den Weg dorthin macht gravierend ändert.
Fangen wir mal klein an. Ganz klein. Kindergartenalter. Mit etwas Glück wohnt man direkt neben dem Kindergarten oder hat zumindest eine dieser Vollblutmamas, die einen brav jeden Morgen um die gleiche Zeit an der Hand in den örtlichen Kindergarten bringen. Und bitteschön um zwölf Uhr wieder abholt, weil zuhause das Mittagessen schon längst auf dem Tisch steht. Glückspilz, könnte man sich dann nennen. Aber als 4-jähriges Kind ist man sich dessen einfach noch nicht bewusst.
Schon garnicht, wenn man nicht das große Los gezogen hat. Dann muss man sich im zarten Kleinkindalter schon daran gewöhnen, dass ein 500-Seelen-Dorf zwar ein DGH hat, welches 5000 Personen beherbergen kann, und ein Feuerwehrhaus für die „freiwilligen“, die jeden Freitag 3 Stunden besprechen wie ein einfacher Knoten geht, und vielleicht gibt es sogar eine Kneipe und einen Tante Emma Laden. Aber keinen Kindergarten. Wahrscheinlich auch nur 3 andere Kinder die so plus minus zwei Jahre im selben Alter sind wie man selbst, die Eltern aber einen so grundverschiedenen Lifestyle praktizieren, dass diese paar wenigen Leidensgenossen dann wohl auch komisch zu sein scheinen.
Und hier sind wir an der Bushaltestelle angekommen. Natürlich fährt für die klitzekleinen Mäuse ein extra Bus, das „Rote Kreuz“ oder eine ähnliche Einrichtung sorgt dafür, dass man mit 4 Jahren sicher, unabhängig davon, ob Mama Sprit im Tank hat oder es glatt ist, tagtäglich seinen Zielort erreicht: den Kindergarten im Nachbarort. Ist ja alles eine Gemeinde, da ist es nur rechtens, dass der andere Ort in seinem Kindergarten genug Platz hat, für die aus dem „anderen Kaff“, dieses aber jedoch kein Anspruch auf seine eigenen 4 Wände.
Da steht man dann morgens, mit Mama und einer Hand voll gleichgesinnten mit deren Mamas.
Da steht man dann, morgens um halb acht. Da gibt es dieses eine Kind, vor dem hat man ja irgendwie ein wenig Angst. Wahrscheinlich ein Junge der nächstes Jahr in die Schule kommt und ganz offensichtlich der Boss ist. Der Boss der Bushaltestelle. Der kommt nämlich mit seinem BMX angebrettert, schmeißt das arme Ding irgendwohin, wenn man Glück hat nicht direkt auf die eigenen Füße, und schreit am frühen Morgen schon „Ey Alda, heute wird voll geil, meine Mutter geht mit mir nachher in Spielzeugladen, und ich hab zeeeeeeeeeeeeehn Euro von der Omma, die geb ich erstmal für überfette Karten aus, die sind voll selten man.“
Das sind meistens auch die Kinder, um die sich alle sammeln, weil sie heimlich Gummibärchen von zuhause mitgenommen haben,welche sie großzügig an all ihre Freunde verteilen. Außer an ein Kind, welches irgendwo neben der eigentlichen Bushaltestelle steht und nur hofft, dass es nicht angesprochen wird. Wahrscheinlich auch ein Junge. So das ganze Gegenteil von dem BMXler und irgendwie auch unsichtbar. Das Kind, das im strömenden Regen niemand im Bus vermissen würde, würde es vor lauter gedanklicher Abwesenheit nicht in den Bus einsteigen. Diese Spezies gibt es ab dem Kindergarten bis hin zum Führerschein in jeder Altersklasse, und hat man es einmal „verschissen“, gibt es auch keine Chance mehr, irgendwann einmal zu den coolen Typen zu gehören. Verkackt for Lifetime, außer, man zieht in eine andere Gegend. Nur gut, dass dieses Schicksal betroffenen Kindern zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst ist.
Nicht zu vergessen ist die Mädelsgruppe. Ach was können 5-jährige Mädchen erwachsen sein wenn sie auf den Bus warten und jede hat natürlich die beste Mama, weil man morgens um halb acht top gestylt durchs Dorf rennt. Wer weiß, wer einen sehen könnte. Und was die Leute dann reden wenn man in Jogginghose oder ungeschminkt an der Bushaltestelle steht. 5 Minuten. Diese Mütter machen es sich zur Lebensaufgabe, jede Kulisse mit ihrer reinen Anwesenheit zu bereichern. Da rückt der Pipigestank von Paul, der es gestern nicht mehr geschafft hat aufs Klo zu rennen, und die Spraydosensession der Halbstarken völlig in den Hintergrund. Statt mal nen Pinsel zu nehmen und die gammelige Hütte von Spinnweben und Grafittigeschmiere zu beseitigen, befreien sie sich lieber jeden Morgen aufs neue von den Spuren des Alterns und der Müdigkeit und der Lustlosigkeit. Darf ja keiner sehen, dass man ein Mensch ist, der nunmal auch grade erst aufgestanden ist und schon ne halbe Stunde Streit über die falsche Unterhose zum Rucksack oder den Inhalt der Brotdose hinter sich hat.
Supermama von heute lächelt das alles weg, macht ihr garnichts aus, sieht man ihr nicht an und sie freut sich schon auf das gleiche Drama die nächsten…..naja….sagen wir 10 Jahre.
Last but not least und nicht zu vergessen das Kind, welches sich das Treiben interessiert aber nicht aufdringlich anschaut, hier und da fragend aus der Wäsche blickt, unbeeindruckt von so viel Action am frühen Morgen und sich auch noch nach dem Unsichtbaren am Rande umsieht. Diese Kinder treten oft paarweise auf und haben bis zum Ende der Schulzeit eine siamesische Aura. Wahrscheinlich sind die Mütter beste Freundinnen und haben den Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft aufeinander abgestimmt.
Jeder kennt sie, alle. Es gibt sie überall.
Der Moment, in dem der Bus, auf den alle warten, um die Ecke biegt, ist übrigens der Moment, in dem ein aufmerksamer Beobachter das wahre ICH eines jeden Beteiligten sehen kann.
Vor allem die Mütter zeigen nun ihr wahres Wesen.
Übereifrige sind schon im Bus bevor die Tür richtig offen ist, damit ihr Kind den sichersten Platz bekommt und auch ganz bestimmt ordnungsgemäß angeschnallt ist. Da wird nochmal durchs Gesicht getätschelt, die übliche Liste von “ Denkdrans“ aufgesagt und gewunken und geknutscht bis der Bus außerhalb des Sichtfeldes ist. Hier und da zückt die ein oder andere 10 Minuten später ihr Handy und ruft im Kindergarten an um sicher zu gehen, dass der Sprößling auch sicher gelandet ist. Vorbildlich. Überflüssig. Peinlich. Und wenn keiner mehr guckt erstmal eine rauchen.
Als Kind ist man in diesem Alter einfach noch froh, wenn man im Kindergarten angekommen ist, egal wie, und seine Ruhe hat. Oder eben Vollprogramm, im Kindergarten wird hier auf die Bedürfnisse des einzelnen ja noch eingegangen.
Man darf fest davon ausgehen, dass dort, wo es keinen Kindergarten gibt, erstrecht keine Schule ist. Egal ob Dorfkind oder Stadtaffe, man ist abhängig von diesem Bus. Eine gefühlte Ewigkeit.
In der Grundschule ändert sich auch nicht viel. Außer, dass man ja plötzlich ein Level aufgestiegen ist. Statt an Mamas Hand gilt ab sofort das ungeschriebene Gesetz, dass ein Schulranzen Multifunktionswerkzeug ist und einem den gewohnten Platz im Bus sichert. Ordentlich in einer Reihe wie an der Kasse bei Aldi werden exakt in der Reihenfolge, in der die Grundschüler die Bushaltestelle erreichen, die zugehörigen Schulranzen drapiert. Hier ist deutlich zu sehen, wer ältere Geschwister hat, wessen Eltern auf den guten alten Lederranzen setzten, wer beim Kauf 3 Stunden im Fachhandel von Kopf bis Fuß ausgemessen wurde, damit der treue Begleiter rückenschonend und an den Körperbau des Kindes optimal angepasst ist. Design rutscht hier in den Hintergrund. Auch, dass in der 4. Klasse Kätzchen und Drachen mit Glubschaugen nicht mehr so ganz altersgemäß sind. Eine Ausnahme gibt es an jeder Bushaltestelle. Der eine, oder die eine, die in der 3. Klasse auf den locker lässigen Rucksack umsteigt. Ein absolutes No-go für jeden Kinderkörper. …. Ein absolutes Must-Have für jede Seele.
Wer jedenfalls ganz hinten sitzen will muss mindestens eine halbe Stunde bevor der Bus kommt seinen Ranzen direkt neben das gelb-grüne Schild mit dem H stellen. Ohne Lücke!!!!! Auch Turnbeutel dürfen nicht davor passen. Nur dann hat man eine Chance. Bereits hier könnte man sehen, dass selbst ungeschriebeneGesetze und von Generation zu Generation übertragene Rituale erneut null und nichtig sind, sobald der Bus seine Tür öffnet. Da passt man plötzlich zu dritt nebeneinander durch die Tür und nur ein gut ausgeschlafener und gelassener Busfahrer kann die absolute Anarchie und schlimmeres mit Armschranken zähmen. Zur Not eben indem er mit geschultem Auge den Rüpelboss identifiziert und nach der Jahreskarte fragt. So pro forma. So macht man sich als selbstüberschätzer Grundschüler dann auch mal schnell unbeliebt, denn es dauuuuuuert in der Regel eeeeeeewig, bis man die Karte gefunden hat und alle die hinter einem warten, haben es verdammt eilig. Hat man es schwer, als Buskind in der Grundschule. Die Weichen werden gestellt und man merkt es nicht.
Im Bus verliert der Ranzen aber noch lange nicht an seiner Funktionalität. Hier ist er der optimale Sitznachbar. Ungeschriebenes Gesetz Nummer 2: Ein Sitzplatz auf dem ein Schulranzen, Turnbeutel oder ähnliches liegt, ist besetzt. Basta. Oder andersrum: Schüler, die zwei Sitzplätze für sich beanspruchen halten entweder einen Platz für den besten Freund aus dem Nachbardorf frei oder haben schlichtweg keine Lust auf Unterhaltung im Bus.
Next Level ist dann ein fließender Übergang, den man selbst als Schüler auch wieder nicht wahrnimmt. Die von Ranzen, oder zu meiner Zeit waren es die Eastpacks, besetzten Plätze werden ab der 5. Klasse immer mehr. Die Anzahl der Schüler, die im Bus dann stehen müssen proportional auch. Für viele, sehr viele, wird der Bus sogar existenziell wichtig. Kein Buskind macht in seiner Schulzeit an einem anderem Ort mehr Hausaufgaben als morgens vor der Schule im Bus. Mit den Knien an der Rückenlehne des Vordersitzes und Kopfhörern mit Entspannungsmusik in den Ohren. nur, wer die Hausaufgaben morgens schon zuhause schnell erledigt hat, darf stören. Potenzielles Abschreibopfer halt. Die sind gerne gesehen wenn man es eilig hat. Aber auch nur dann.
Viel wichtiger ist aber hier zu erwähnen, dass der einstige Warteort um schnell von A nach B zu kommen, mit dem Alter an Attraktivität gewinnt. Irgendwann kommt der Moment, in dem man selbst abends im Schutz der Bushaltestelle mit den besten Freunden die erste Kippe raucht, das erste Mixery aus der Dose trinkt und die Busfahrer kurz abbremsen und langsamer werden, man aber hofft, dass ein dem Bus zugedrehter Rücken, bitteschön kollektiv, das Signal sendet, dass hier heute keiner mehr mitfahren will. Pech für den einen, der tatsächlich etwas abseits steht und mitfahren wollte. Denn den sieht der Busfahrer nicht. Es ist immernoch das selbe Geschöpf, welches schon mit 4 Jahren so da stand, in der Grundschule den Platz nahm der als letztes übrig war und später immer öfter mal den Bus zur „Ersten“ verpasst, weil der zur „Zweiten“ erfahrungsgemäß nicht annähernd so voll ist.
Zudem kann man sich in den Ecken des Bushäuschens prima vor den Kontrollblicken der Übermamas verstecken, denn DAS findet man jetzt langsam nicht mehr so cool. Man hat selbst in jeder Farbe einen wasserfesten Edding einstecken, um für die Nachwelt zu dokumentieren wer mit wem wann „hier war“, wer doof ist und nicht zu vergessen daneben die Handynummer vom Großkotz von damals. Ein Ort der freien Entfaltung, der Mitteilung, Treffpunkt für alles und jeden, der nach 20 Uhr noch raus darf. Immer in der Hoffnung dass der eine ausm Dorf, der schon 18 ist und in Besitz eines Führerscheins, der eine von denen, der sich noch mit den Teenies abgibt, vorbei fährt, damit man ihm sein letztes Kleingeld geben und ihn zur Tanke schicken kann, um dort irgendwas zu kaufen, was von Hause aus verboten wird. Zigaretten und Colabier stehen hier auf der Beliebtheitsliste ganz oben, dicht gefolgt von 3 Cheeseburgern vom gelben M, denn Übermama macht seit neuestem abends nur noch Salat. Ist besser für die Figur und die Haut. Ihre. Aber wir denken ja bei allem was wir tun immer nur zuerst und ausschließlich an unsere Kinder.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Bushaltestelle eines jeden Dorfes Dreh-und Angelpunkt und weichenstellend für ALLES ist, was man bis zur großen Einsicht nach der Pubertät, also mit ca 30, macht und mit wem.
Jedem wird zum Thema Bushaltestelle irgendeine Story einfallen. Ich schwöre. Wenn etwas Einfluss darauf hat, zu was für einem Menschen man einst wird, der Weg ebnet sich just in dem Moment, in dem man das erste mal an Mamas Hand, verängstigt oder neugierig, die heiligen 10 qm Pflastersteine betritt, auf denen man 10 Jahre später seinen ersten ekligen Kuss kassiert. Punkt.

Denke wie Jekyll und handle wie Hyde

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Jeder kennt sie. Und weil ich gerne über Dinge nachdenke, die jeder kennt oder über die ich zumindest der Meinung bin, dass sie jeder kennt, habe ich ein Thema gefunden, mit dem ich mich beschäftigen kann.

Diese Situationen in denen man da steht und abwägen muss, ob man das gesunde, aber teure Brot kauft, oder sich dem Risiko von Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärkern aussetzt und dafür zwei Brote kaufen kann, die genauso satt machen.

Gesundheit ist immer eine Frage der Abwägung. Gesund bedeutet immer Abstriche bei etwas anderem, das Spaß macht. Das ungesunde ist meistens das einfache, aber eben ungesund und somit scheinbar von Grund auf negativ. Das lernt man so. Im Kindergarten, in der Schule, und wenn man gute Eltern hat, dann auch zuhause.

Fang bloß niemals an zu rauchen, sagen sie, mit Kippe in der Hand.

Heute nur zahngesundes Frühstück, sagen sie, und gehen danach mit ihrer Familie zu Mc Donald.

Du musst Sport machen, sagen sie, und fahren 1,7 km mit dem Auto zur Arbeit. Im Sommer.

Vorbilder. Moralapostel. Besserwisser.
Sie sagen einem wie es richtig geht und machen selbst alles falsch. Zumindest brechen sie ihre eigenen Regeln.

Und dann steht man da und muss abwägen. Ein ganz normaler Prozess. Man automatisiert das irgendwann, wenn man Glück hat. Manche fangen auch erst sehr spät damit an, handeln aus Prinzip eher impulsiv und denken hinterher erst darüber nach, ob es gut ist, was sie entschieden haben. Meistens ist es das nicht.
Aber gut oder schlecht, richtig oder falsch, wer entscheidet das? Ich selbst, für mich. Eine Zeit lang für meine Kinder und manchmal auch für andere, die nach Rat fragen.

Ich beneide Menschen mit der Fähigkeit, scheinbar immer alles richtig zu machen. Für die es nur eine Antwort auf alles gibt und keine innere Diskussion über jede noch so kleine Entscheidung. Jeder, der sich schonmal von der Vielfalt an Entscheidungsmöglichkeiten und deren eventuellen Auswirkungen überfordert gefühlt hat, wird diesen Neid verstehen.
Ich war mal so ein Mensch. Ich konnte das mal. Wenn ich morgens keine Lust hatte aufzustehen dann bin ich halt nicht zur Schule gegangen. Das kam oft vor. So oft, dass meine Klassenkameraden irgendwann ein Schild mit meinem Namen an meinen Stuhl hingen damit die Lehrer wussten, wer da hingehört. Oder um zu signalisieren, dass meine physische Anwesenheit ja doch keinen Unterschied macht und die Vorstellung ich sei dort, auch genüge. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was das sollte. Aber es wird in diese Richtung gehen.

Das war die Zeit zu der ich auch noch einfach nichts tun und vor allem, NICHTS denken konnte. Rückblickend wäre es besser gewesen, ich hätte zu dieser Zeit mehr an morgen gedacht, statt im Heute zu leben. Besser für wen? Für meinen Lebenslauf und mein Gewissen. Besser für meine heutige, nachtragende Stimme, die sagt: Kleines, hättest du mal nachgedacht.
Ja, hätte der Hund nicht in die Ecke geschissen……hat er aber. Und es ging ihm bestimmt gut dabei. Und der doofe Hoppelhase wird schon wieder auftauchen. Oder er hat ihm das Leben gerettet, was ja auch gut wäre.

Es war ein jahrelanger Prozess, wahrscheinlich bedingt durch Reife und ähnliches, bis ich anfing gezielt nachzudenken. Mir Gedanken zu machen und mich und mein Handeln, und darüber hinaus jenes der Menschen in meinem Umfeld und weiter dieses derer in deren Umfeld zu analysieren, zu hinterfragen, zu deuten, zu werten, nachzuvollziehen. Anstrengend ist das heute. Es macht Spaß, keine Frage. Denken ist fast schon etwas wie ein Hobby geworden. Aber es kann einem auch im Wege stehen, wenn man durch die viele Denkerei nicht mehr handelt.

Da ist plötzlich diese Stimme im Kopf, die einfach niemals den Rand hält. Sie kritisiert sogar getroffene Entscheidungen. Nachtragend ist sie. Und sie weiß immer alles besser. Immer. Alles. Sie hat auch manchmal gute Ideen, auf die ich ohne sie nicht gekommen wäre, das muss ich ihr ja lassen. Kreativ und abstrakt ist sie. Wie eine eigene Persönlichkeit. Nur bin ich nicht shizophren, denn ich vermische die Stimme mit meinem Handeln und das ist meistens alles andere als harmonisch.

Neue Menschen in meiner Umgebung haben es seit dem schwer. Früher war ich naiv und habe erstmal alle Wesen gemocht, bis sie mir irgendetwas getan haben.
Heute mag ich erstmal niemanden, aus Prinzip. Ich erwarte nichts und gebe nichts. Statt zu jemandem freundlich zu sein, aufrichtig freundlich, bin ich vorerst anständig neutral. Beobachte die Person, fast schon automatisch bildet sich ein Leben um ihre Aura, welches ich ihr innerlich zuschneidere. Auslöser und Anhaltspunkte kann ich dabei nicht im geringsten klar definieren, denn ich halte wenig von optischer Bewertung. Demnach müsste ich selbst oft ein minderbemittelter Stricher sein.

Die Stimme in meinem Kopf macht die Arbeit von ganz allein und ungebremst. Charakter und Backgroundstory kann sich mir manchmal bei mir fremden Personen in kurzer Zeit zu einem Gesamtbild erschließen, welches es dann zu bestätigen gilt, sollte der Mensch eine Ausstrahlung haben, die mein Interesse weckt. Möglicherweise werde ich in solchen Momenten neugierig und starte einen Smalltalk. Jede Antwort lenkt dann das Gesamtbild in eine neue Richtung und die Stimme in meinem Kopf warnt mich, oder stachelt mich an, neugieriger zu werden.

DAS ist der Punkt, in dem dieser Drecksack die Kontrolle übernimmt. Sie zwingt mich dazu, mich in mein Gegenüber hinein zu versetzen und Verständnis zu entwickeln. Nervig.

Früher habe ich Menschen gesehen und sofort wieder vergessen. Heute kann ich mich manchmal abends noch daran erinnern, worüber die Dame vor mir an der Kasse im Aldi sich mit der Kassiererin unterhalten hat, welches Auto sie fährt, was sie im Wagen hatte und welche Farbe ihre Fingernägel hatten.

Was mich das angeht? Nichts. Warum mich das interessiert? Tut es nicht.

Das ist der Jekyll, der das alles wissen will.

Hilfreich in so fern, dass ich mich dadurch selbst reflektieren kann. Denn die Wirkung anderer auf meinen Jekyll liefert mir zugleich die Antwort auf die Frage, wie ich auf „annerleutz“ Jekyll wirken muss. Selbstfindung ist ein never-stopping Prozess. Oder besser, sich selbst zu kreieren, denn es geschieht aktiv, bewusst. Heute. Früher nicht.

Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, dass ich mir heute Gedanken über die Gedanken mache, die ich mir über meine Gedanken mache, hätte ich wahrscheinlich nicht weiter darüber nachgedacht und laut losgelacht.

Erfolgreich und/oder (?) glücklich

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Ja, es ist schon wirklich schlimm, dass ich in der Schule damals grade so durchgerutscht bin. Hausaufgaben und lernen? Diesen langweiligen Mist, den ich nie wieder brauche? Nein, danke.

Freundschaften knüpfen, eine „Clique“ finden, anpassen und jeden Tag machen, was die anderen machen? Och nö, lass mal.

Auf andere hören und aus deren Fehlern lernen? Lass mal stecken, ich mach lieber die gleichen Fehler, dreimal, und dann nochmal.

Nett sein, zu jedem? Klar, natürlich. Nicht. Erstmal finde ich euch alle doof. Sympathie muss man sich erstmal verdienen.

Das Leben so Anfang 20 wäre bestimmt einfacher gewesen, hätte ich so ganz stereotyped gemacht, was alle machen, oder zumindest das, was man machen muss, um erfolgreich zu sein.
Doch wie definiert man eigentlich erfolgreich? Heutzutage, so gute 10 Jahre später.

Ist es ein Zeichen von Erfolg, wenn man mit einem Golf durch die Gegend brettert, im Büro irgendwo brav jeden Tag die gleichen Arbeitsabläufe meistert und bei 50 Shades of Grey mitreden kann?

Einmal im Jahr nach Malle fliegt um hinterher erzählen zu können, dass Sangria ausm Tetrapack ekelhaft ist?
Riesterrente seit der Ausbildung, läuft.
Bausparvertrag, läuft.
Das Besteck im Besteckkasten ist nach Messern und Gabeln sortiert. Ein voller Erfolg. Für viele mag das so sein und das ist auch gut so. Solange es für sie passt, für mich passt das nicht.

Ich habe das versucht. Wenn 90% der Menschheit so glücklich sind, muss ja was dran sein. Nur glücklich macht mich das nicht.

Mich macht es glücklich wenn ich meine Schublade aufmachen kann und dort alles finde, was ich gelegentlich brauche. Tesafilm oder Schnürbänder, Besteck und Batterien. Auch die Reaktionen der Menschen, die sich daran gewöhnt haben, und ganz selbstverständlich alles in „der“ Schublade suchen, zuerst, machen mich fröhlich. Sie akzeptieren mein System.

Mich macht es auch glücklich, wenn ich stundenlang drüber nachdenken kann, ob unser Sonnensystem nicht vielleicht nur ein riesiges Atom ist und aus jedem Atom irgendwann ein weiteres Sonnensystem entsteht. So lerne ich heutzutage freiwillig Physik, und zwar so deep, wie ich es brauche, um meine Gedanken zu beruhigen und mir selbst sagen zu können: JETZT habe ich es verstanden. Gleichzeitig ist so auch immer Gesprächstoff vorhanden, der über das übliche „Was geht?“ hinausgeht.

Wichige Dinge sofort erledigen. Eine Zeit lang dachte ich ja, das muss man tun weil es alle anderen ja auch irgendwie hin bekommen. Aber heute weiß ich, dass ich zwar weiß, wie es geht, aber ich weiß auch, dass ich erstens kurz vor knapp viel schneller erledigen kann und zweitens die Welt davon auch nicht untergeht.

Und Klopapier erst zu kaufen, wenn auch keine Taschentücher mehr im Haus sind, hat mich dann auch noch nicht in den Abgrund getrieben. Genauso wie die Tanklampe eigentlich schon durchgebrannt sein müsste, wenn man jeden Tag für 10 € tankt statt einmal richtig voll. Aber hey, will ich mein Auto mit vollem Tank schrotten? Außerdem mag ich meinen Tankwart und seinen Kaffee.
Wäsche in den Schrank räumen, ist ja ne schöne Sache, aber wenn sie ne Zeit lang auf dem Wäscheständer hängt schadet das wem? Niemandem, richtig.
Dafür kann ich ganz spontan in Jogginghose eine Fototour machen wenn mir danach ist, oder schlafen oder essen oder Bilder malen, ohne mir Stress zu machen was grade „wichtiger“ wäre. Ich kann Mittwoch entscheiden, dass ich Donnerstag nach Wacken fahre und dort eine lang fällige Schlammkur mache. Das kann ich nicht, wenn mein Jahresurlaub ein Jahr vorher schon verplant ist.

Denn nichts ist wichtiger, als genau jetzt genau das zu tun, was man genau jetzt am liebsten machen will. Und wenn man das mit Freude und Euphorie macht, war es ein voller Erfolg.

Soziale Netzwerke – Fluch und Segen

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Jaja, die sozialen Netzwerke. Was wären wir ohne sie. Woher sollte man wissen, was der Schulkamerad von vor 15 Jahren heutzutage für eine Frisur hat oder wer zum 237. Mal umgezogen ist? Wer hat einen Welpen gerettet und wer wünscht jeden Abend „allen“ eine gute Nacht?
Wer regt sich öffentlich über wen auf, wem ist immer langweilig und wer hat zu welchem Thema von dem er keine Ahnung hat viel zu viel Senf abzugeben?
Wer mag keine Montage und ist kein Nazi, aber…..

Abertausend Sprüchebildchen und noch mehr Selfies. Nach einer Weile hat man von mindestens jedem zweiten „Freund“ das Bad gesehen und weiß, welches Handy er grade hat und ob der Spiegel geputzt wurde.

Den kreativen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und Meinungskundtuung sind wirklich keine Grenzen mehr gesetzt zu Zeiten von Facebook, Twitter und co.

Einerseits ein riesen Vorteil, da sich akute Nachrichten rasend schnell verbreiten und man schon informiert ist wo man jetzt besser nicht zu schnell fährt, weil grade ein Polizist mittleren Alters, der Onkel von Tom, dem drogenabhängigen der in der Fotogalerie des örtlichen Clubs von Samstag zu sehen ist, weil er sich von seiner ungewollt schwangeren freundin getrennt hat, die ja sowieso niemals etwas auf die reihe bekommt, weil ihre Mutter vor zwei Jahren…….und so weiter…..ihr wisst, worauf ich hinaus will, einen Blitzer aufbaut.

Aber ernsthaft, wichtige Nachrichten können sich schneller verbreiten als auf die Zeitung morgen früh zu warten, der ich damals entnehmen konnte, was gestern passiert ist.
Was hier wahr und noch wahrer ist, sei mal dahingestellt.

Auch sich für Samstag zur Rockparty zu verabreden bedarf keinerlei Kommunikation, dank eines “ nehme-teil-Buttons“. Herrlich. 725 Zusagen. Ich kann schon vorher sehen wer mir über den Weg laufen wird und mich rechtzeitig umentscheiden, sollte mir daran etwas missfallen.
Ein Klick im Internet von Fremden oder Halbbekannten der mein Handeln steuert. Wie einfach die Welt geworden ist. Oder vielleicht nicht?

Ich gehöre zu dieser komischen Generation, die Dickies-Hosen und Pullover mit Strichmännchen drauf in der Schule trug.
Mit 15!
Ich musste mit dem Fahrrad 3 km fahren um bei meinen Freunden zu klingeln und zu fragen, ob sie Zeit haben. Das war nicht immer der Fall.
Telefonieren konnte man schon, ja, so lange ist es nun auch nicht her. Aber auch hier gab es Probleme, die heutzutage in Geschichtsbücher gehören.
Nicht auszudenken was los wäre, müssten am Sonntag Nachmittag alle Familienmitglieder stundenlang aus dem Internet, weil Oma gesagt hat sie würde anrufen. Beides gleichzeitig ging nunmal nicht.

Diese komische Generation, die sich in Grüppchen zusammentat und diese Grüppchen auch nur schwer zu ändern waren. Beste Freunde fürs Leben.
Die anderen haben uns nicht interessiert. Wir hatten unsere eigene, interne Welt, von der auch niemand etwas mitbekam, dem der Weg mit dem Fahrrad zu weit war.
Und gab es doch mal Streit, kam man ja auch nicht weit, wir mussten uns einfach vertragen.
Heute setzt man sich vors Internet, jammert kurz wie scheiße alles ist und schwupps hagelt es „Was denn los´s?“. Neue Freunde im Handumdrehen. Wozu sollte man sich also um die alten Sorgen?

Die Welt ist schnelllebig und oberflächlich geworden.
13-jährige posten Fotos von sich in Bikini, sichtbar für tausende von Leuten. Ich mit 13 hab mich schon geschämt mit der Klasse schwimmen gehen zu müssen.

Ehrlich, es klingt nach einem dummen Spruch, aber so wie unsere Jugend heutzutage ( herrje ich werde alt ) in der Schule rumrennt, so hätten mich meine Eltern in dem Alter nichtmal in die Disco gelassen.
Es gibt Ausnahmen, natürlich, die gibt es immer und überall, aber die Veränderung ist auffällig.
Nicht, dass Veränderung grundsätzlich schlecht ist, nein, im Gegenteil, wir brauchen Veränderung in allen Bereichen.

Selbstdarstellung ist ein ganz großes Thema geworden. Intimität nur noch ein Wort dessen Definition der Duden auch mal langsam anpassen sollte.
Das Facebookprofil wird mit dem ICH gleichgesetzt.
Chefs gucken sich die Profile von Bewerbern an und sortieren schonmal vor.
Unsere Lehrer oder Chefs hätten damals schon mit uns Krefelder aus 0,5 Liter Krügen für 2 Mark saufen müssen, um mitzubekommen, was für komische Menschen wir waren.
Haben sie aber nicht, und deshalb konnten wir in unserer Freizeit ausgelassen und kindisch sein, und in der Schule die graue Maus abgeben.
Unsere Freunde und Familie kannte uns, wir waren echt und authentisch. Wir hatten ein Jugend, mit allem was dazu gehört. Haben uns ausprobiert und schämen uns für garnix.
Wem gegenüber denn auch?

Ich glaube, die armen Teenies können einem inzwischen leid tun. Sie haben garkeine andere Wahl, als sich möglichst früh möglichst erwachsen zu geben.
Ich kenne 17 jährige, die sind spießiger als meine konservative Großtante es jemals war.
18 – jährige, die sich über ihre 30-jährigen Geschwister aufregen.

Auch hier sind nicht alle in dieser Schablone gefangen. Ein paar wenige brechen aus diesem Raster aus und haben ihren rechtmäßig zustehenden Spaß, bevor der berühmte Ernst des Lebens losgeht.

Ich habe manchmal das Gefühl, vor lauter Transparenz muss man sich heute fürchterlich anstrengen, ein Bild von sich selbst zu kreieren, welches von der Gesellschaft erwartet wird.

Und ich brauche nicht zu erwähnen, dass das, was auf Facebook steht, Gesetz ist! Dislike!

Wir sind die Aliens

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Wenn man sich so ansieht, was auf „unserer “ Erde so alles schief läuft, fällt mir persönlich eine Sache auf.
Oder zwei, oder mehr.

Wir, die Menschen, und ich rede einfach von einem großen Teil.

Der Mensch strebt seit Jahrhunderten danach, das Universum zu entdecken, während er die Erde zerstört.

Der Mensch ist machtbesessen, habgierig und egoistisch. Ohne Rücksicht auf Verluste schafft er sich einen künstlichen Lebensraum, künstliche Nahrung, künstlichen Schutz vor Umwelteinflüssen.

Der Mensch schreckt nicht davor zurück, seinesgleichen
abzuschlachten mit dem Ziel, seine eigenen Interessen zu verteidigen oder zu erzwingen.

Der Mensch ist nie zufrieden, will immer höher hinaus, immer weiter weg, immer schneller.

Bei Tieren ist das anders. Sie haben ihren natürlichen Lebensraum, leben friedlich miteinander unter ihresgleichen, kümmern und opfern sich füreinander. Was sie der Natur nehmen, geben sie ihr auf andere Weise wieder zurück. Sie passen in das ökologische System der Erde und schaden ihr nicht.

Der Mensch schon.

Und so komme ich auf die Idee, warum wir eigentlich unsicher sind, dass es außerirdische Lebensformen gibt, wenn es doch so offensichtlich ist, dass wir die Lebensform sind, die auf dieser Erde nichts zu suchen hat.

Wir passen hier nicht hin, wir sind hier nicht zufrieden und machen sie kaputt. Wären wir eine Einheit mit ihr, würden wir so nicht handeln.

Angst davor, dass Außerirdische die Erde zerstören brauchen wir nicht zu haben, denn wir sind schon voll dabei, den Lebensraum der erdenwürdigen Spezien langsam aber sicher zu vernichten.

Wir müssen uns von anderswo hier hin verirrt haben.
Denn so viel Dummheit traue ich Mutter Natur einfach nicht zu.

Die meisten Menschen können nichts dafür, dass sie scheiße sind

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Es ist doch so, dass jeder schon einmal irgendwelchen Mist gebaut hat, den er später bereut hat und gehofft hat, dass die Menschen, die ihm wichtig sind, diesen Fehltritt verzeihen.

Genauso wie wahrscheinlich jeder schon einmal ein Auge zugedrückt hat ( was ein blöder Ausdruck in diesem Zusammenhang, klingt schmerzhaft, aber nunja, zurück zum Thema ) wenn ihm jemand gestanden hat, dass etwas nicht so lief wie es erwartet wurde.

Erwartungshaltung ist generell dazu vorprogrammiert, dass irgendeiner leidet, weil die Erwartung höher war als die Tatsache.

Statt Dinge von anderen Menschen zu erwarten und hinterher enttäuscht zu sein, hilft meistens schon der simpelste Weg der Kommunikation, in dem man seine Wünsche und Hoffnungen mitteilt.
So kann sich das Gegenüber darauf einstellen und sein Möglichstes tun.
Geschieht es dann immernoch nicht annähernd im gewünschten Umfang, kann man entweder klären woran es liegt und Hürden aus dem Weg räumen, oder aber man ist ein Opfer von Desinteresse seines Gegenübers an den eigenen Bedürfnissen.
Mit dieser Erkenntnis lässt sich dann durchaus auch arbeiten.

Leider gibt es unzählige Möglichkeiten und jeden Tag neue Fallen, die darauf warten, einen zum Vollidioten mutieren zu lassen.
Sei es, dass man zum dritten Mal in einer Woche zu spät zur Arbeit kommt oder vergessen hat Klopapier mitzubringen, obwohl es einem ausdrücklich gesagt wurde und man ja auch selbst lieber welches zuhause hätte.
Wie ich finde ganz klassisch sind auch Missverständnisse in der Kommunikation, das sogenannte “ Aneinander-vorbei-reden“. Die Liste ist lang und Beispiele werden wohl jedem selbst reichlich einfallen.

Äußerst selten geschehen solche Dinge vorsätzlich. Ich stehe nicht morgens auf mit dem Ziel, die Welt um mich herum in schlechte Laune zu versetzen. Im Gegenteil.

Das A und O nach jedem Fehltritt ist jedenfalls, die Größe zu besitzen, sich zu entschuldigen, sofern es jemanden geschadet hat und verletzend war.
Aus eigener Erfahrung weiß aber bestimmt jeder, dass es erstens nchit so einfach ist, sich zu entschuldigen, wenn man sein eigenes Verhalten scheinbar nicht plausibel erklären kann.
Genauso schwierig ist es, eine Entschuldigung zu akzeptieren, wenn man die Beweggründe des anderen nicht kennt.

Aber es geht. Es funktioniert, aufrichtig und nachhaltig. Durch Selbstreflektion und Mitgefühl. Dieses an dieser Stelle nicht zu verwechseln mit Mitleid.

Ich habe erfahren, dass selbst das schlimmste was mir hätte ein Mensch antun können, verzeihbar ist, wenn ich nur mal ein wenig Zeit darin investiere, mir vorzustellen, was mir passieren müsste, um genauso zu handeln.
Diese Vorstellung als Grundlage für das Handeln des anderen zu nehmen, macht aus fast jedem „Abfuck“ schon ein nur halb so schlimmes Problem.
Sobald man die Hintergründe kennt, sei es ein Defizit in der Erziehung, Erfahrungen auf welche wirklich jeder verzichten kann oder andere äußere und innere Umstände, die manche Menschen zu irrationalem Handeln treiben, kann man ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen.
Dieses macht es einem, mir zumindest, möglich, eine Entschuldigung anzunehmen und auch wirklich aufrichtig zu verzeihen.

Sobald man anfängt, Verständnis zu entwickeln und sich für die Hintergründe zu interessieren, fangen auch die Menschen im unmittelbaren Umfeld an, sich zu öffnen und über ihre Beweggründe zu sprechen.
Ich erkläre mich niemandem, der es eh nicht verstehen will und nur darauf fokussiert ist, sich zu rächen oder mich „rund“ zu machen. Warum also sollten es die anderen bei mir tun, wenn ich verständnislos und egoistisch bin?

Wenn man diese Erkenntnis für sich gewonnen und verinnerlicht hat, macht es einem das Leben wirklich einfacher.
Ich rege mich seit dem viel weniger auf über „Idioten“ die an der Ampel zwei Grünphasen verpennen ( vielleicht ist das Kind auf der Rückbank grade am kotzen) oder über schlecht gelaunte Vorgesetzte die ihren Frust scheinbar an einem auslassen, obwohl sie vielleicht auch nur in einer Krise stecken mit der sie momentan nicht umzugehen wissen.

Überforderung mit Situationen ist ein häufiger Grund für impulsives Handeln. Statt diesen Leuten noch mit Vorwürfen anzukommen sollte man lieber zusehen, deren Last etwas zu verringern und für alle ein harmonisches Miteinander zu erschaffen.

Ein meiner Meinung nach sehr schlauer Mann sagte einst:
“ Niemand steht morgens auf um anderen den Tag zu versauen.“ (Brendon Burchard)

Schema ZY statt F

 

 

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Ich weiß nicht genau, was es war, das mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin.
Die Gene, ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit oder einfach der Druck der Gesellschaft.
Vielleicht war es auch meine verkorkste Erziehung, meine aus der Norm fallende Familie oder eine Impfung, die mir nicht gut bekam.
Resultat ist jedenfalls, dass ich in kein Schema F hineinpasse. Ich könnte, wenn ich wollte, aber ich will garnicht. Ich bin eher ein Anhänger des Schema Y, oder ZY. Ein Schema, welches keines sein darf, weil es zu kompliziert ist. Zu kompliziert für das Schema F und dessen Anhänger.
Leider ist dieses Schema F heute noch das selbe wie vor 50 Jahren, wenn nicht sogar noch länger.
In der Schule hat meine Oma schon das gleiche gelernt wie meine Kinder heute, als Wahrheit definierte Fakten werden und wurden uns eingetrichtert, auswendig gelernt und auf wieder längst bekannte Formeln und Theorien angewendet.

Im “ Optimalfall“ haben wir jedes Jahr 150 Abiturienten in unserer Kleinstadt, welche alle den gleichen Wissenstand haben und theoretisch absolut austauschbar sind. Wirtschaftlich gesehen perfekt, gesellschaftlich hege ich hier so meine Zweifel.

Immer öfter fällt mir auf, an mir, an Bekannten und Freunden, dass die meisten Schüler mit den Lernmethoden von heute grundsätzlich unzufrieden sind.
Wir lernen so viele Dinge, die wir nie wieder brauchen, aber an Alltäglichem mangelt es.
Man kommt aus der Schule, kann den Flächeninhalt einer Parabel im Koordinatensystem berechnen, steht aber bei der jährlichen Steuererklärung wie der Ochse vorm Berg vor einem Stapel Zettel und Zahlen, von denen man nicht den leisesten Schimmer hat.
Alltägliche Probleme, zwischenmenschliche Konflikte, ethische Gundsätze und eine Formel zum Glücklichsein, die lernt man in der Schule nicht.

Um ein glückliches Leben zu führen und mit dir selbst im Einklang zu sein, ohne eines Tages auf der „Couch“ deines liebsten Psychologen zu landen, muss man tun, was man gerne macht. DAS sagt einem niemand.

Man bekommt in der Schule und auch leider immernoch in der Gesellschaft vermittelt, dass man tun muss, was alle machen, um erfolgreich und somit im Umkehrschluss glücklich zu sein. Absoluter Bullshit.

Zu Schulzeiten hatte jeder so seine Fächer in denen er besser war als in anderen, weil sie einen einfach mehr interessieren. Aber das interessiert wen? Niemanden. Leider.

Es gibt Kinder, die könnten mit 16 Jahren ihren Dr. in Physik machen, ohne auch nur ein Strichmännchen malen zu können oder mit dem Ball in ein Tor zu treffen, während andere die schönsten Gemälde aller Zeiten malen und die Biografie jeglicher bekannter Künstler im Schlaf aufsagen können. Wen interessiert`s? Keinen. Leider.
Individualität ist eben nicht gefragt. Stereotypisches Allgemeinwissen wird vorausgesetzt, für jeden Beruf. Ob Professor der Chemie oder Psychologe, der Grundbaustein soll der gleiche sein. Dieses Schema mag ja, bei den meisten, sinnvoll sein und funktionieren.
Gäbe es da nicht diese 10% Ausreißer, Querdenker, die bei Themen die sie nicht interessieren einfach auf „error“ schalten, so irgendwann nicht mehr die Chance haben, sich in anderen Gebieten zu beweisen und nicht selten als faul, dumm oder gar unnütz abgestempelt werden.
Die Schule sollte Kindern beibringen, wie man lernt, wofür man sich begeistert, statt einem vorzuschreiben, was man zu lernen hat, ob es einen eines Tages weiter bringt oder nicht.
Selbstverständlich ist ein Mindestmaß an Mathematik und Rechtschreibung von Vorteil. Einblicke in Naturwissenschaften und Kunst können auch nicht schaden, aber Nicht auf Biegen und Brechen bis zum Erbrechen.

Auf dem Weg zu dem Leben, worauf wir im Alter zufrieden und glücklich zurückblicken können sollte eines sein, welches wir unseren Urenkeln noch wünschen.
Wie oft höre ich den Satz: „Du sollst es einmal besser haben als wir es hatten.“ Eine gut gemeinte Floskel, will man meinen. Jedoch allzu oft ausgesprochen von Personen, die ihr ganzes Leben nach eigenem Erachten verschwendet haben weil sie nie die wünsche und Sehnsüchte ausleben durften, welche tief in ihnen geschlummert haben.
Und irgendwann ist es dafür auch einfach zu spät.

Deswegen sollte unsere Generation den Kindern den Freiraum einräumen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, die nächste Generation sich zu individuellen Persönlichkeiten entwickeln zu lassen, welche den Stereotypen den Blick über den Tellerrand auf zauberhafte Art und Weise visualisieren.
Wir werden es nicht bereuen.